Ex-Fußballnationalspieler Jimmy Hartwig über Ressentiments und was sie bewegen können, über Stolz und Heimatliebe.

»Wir wollten über Bewegung sprechen und jetzt wundern Sie sich bestimmt, dass ich hier gemütlich in meinem Sessel sitze. Aber ich möchte Ihnen zu diesem Thema etwas erzählen: Sich bewegen ist gut – für einen selbst. Doch ›etwas bewegen‹ ist viel wichtiger, denn es betrifft das Kollektiv. Wir Fußballspieler mit dunkler Hautfarbe haben gezeigt, dass auch wir in Deutschland zu Hause sind. Dadurch haben wir das Kollektiv verändert, wir haben es in Bewegung gebracht. Heute ist man stolz auf Sportler wie Jérôme Boateng und Mesut Özil. Das war nicht immer so. Als zweiter farbiger Nationalspieler war ich auf dem Platz nicht immer willkommen. Doch ich habe mich nie vor Anfeindungen wie ›Negerschwein‹ geduckt. Ich wollte all dem trotzen – und spielte umso besser. Körperlich bin ich immer aktiv gewesen; mehr noch: Ich trainierte wie besessen. Warum? Fußball war alles, was ich hatte. Armut prägte meine Kindheit in Offenbach, wir gehörten zur Unterschicht. Meine Mutter verzichtete oft auf ihr Essen, damit ich satt wurde. Gewalt unter Jugendlichen war dort normal. Durch meine Profikarriere ›erspielte‹ ich mir ein besseres Leben. Inzwischen liebe ich Deutschland, Heimat ist alles! Das will ich auch mit meiner Kleidung sagen: Ich trage täglich Tracht, ob im Supermarkt, auf Galas, im Stadion oder als Schauspieler auf der Bühne.«

 

Wagner Community - Jimmy Hartwig, von Wagner
 

 

 

 

Jimmy Hartwig

 

Jimmy Hartwig war der zweite farbige Fußballnationalspieler in Deutschland. Heute spielt er Theater und engagiert sich für Integration. Im Winter unterstützt er den ›Kältebus München‹, der Obdachlosen Kleidung und Essen bringt.

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