Sie hatten vor kurzem Ihren 75. Geburtstag. Wie haben Sie gefeiert?

Ich bin nach Japan geflogen, damit ich nicht feiern muss. (lacht)

 

Sie reisen viel. Japan, Frankreich, ... 

In Frankreich bin ich leider zu wenig. Ich kann ja nicht ständig unterwegs sein. Für mich ist es das Wichtigste, hier in meiner Bar zu sein. Ich möchte den Laden nach wie vor so prägen, wie ich mir das vorstelle – und das kann ich nur selber, sonst müsste ich gar nicht mehr hergehen. Solange ich noch Lust habe, hierher zu gehen, mache ich das auch noch.

 

Für Ihren Film sind Sie viel gereist. Welche Länder stehen noch auf Ihrer persönlichen Reise-Wunschliste?  

Ich bin nicht jemand der abhaut und sagt, da muss ich noch hin. Ich bin viel unterwegs gewesen. Südamerika ist interessant. In Japan würde ich gerne eine Zeit lang leben. Aber da fahre ich nicht hin, weil ich unbedingt noch hin muss. Ich bin einfach da. 

 

Reisen inspiriert. Wo finden sich diese Ideen wieder?

Ideen sind auch dazu da, dass man sie nicht alle verwirklicht. (lacht) In unserer Tagesbar und auch der Schumann's Bar am Odeonsplatz verändern wir uns immer wieder. Wir verändern uns nicht räumlich. Wir verändern uns mehr oder weniger mit dem, was wir anbieten: Essen und Drinks. Da findet man sicherlich sehr viele der Ideen.

 

Sie haben täglich viele Begegnungen mit Menschen. 
Inspirieren und bewegen Sie Menschen? 

Wenn man im letzten Drittel seines Lebens ist: Nein. Definitiv nicht (mehr). Ich habe noch nie ein Problem gehabt alleine zu sein. Ich bin auch noch nie irgendwo hingegangen, um Menschen kennenzulernen. Ich lerne sie automatisch kennen. 

 

Bewegt Sie Musik?

Musik mag ich gerne. Bach und Schumann. Musik bewegt jeden Menschen. Der eine springt in die Luft, der andere geht in sich. Das kommt immer darauf an, welche Musik und was man an Musik liebt und nachdem ich mehr Klassik liebe oder auch Jazz, ist für mich Musik ein Moment der Besinnung und des Zuhörens. Also da bin ich mit Sicherheit unterwegs – wenn ich Musik höre.

 

Wie sieht für Sie ein erfüllter Tag aus?

Solange ich gerne hier her gehe, ist ganz klar, dass ich von der ersten bis zur letzten Minute hier bin. Das fängt in der Früh von acht, halb neun in der Tagesbar an und endet um Mitternacht hier – normalerweise. Dazwischen schlafe ich eine halbe Stunde – das brauche ich mittlerweile – oder gehe zum Sport.

 

Was ist für Sie einzigartig?

Japan. Die Menschen, so wie sie miteinander umgehen, ist für mich schon großartig. Nicht einzigartig, sondern großartig. Viele behaupten, es wäre oberflächlich oder nach außen gestellt, aber das glaube ich nicht. Die haben schon großen Respekt voreinander. 

 

Sie sind seit einigen Jahren Testimonial von Wagner. 

Ich bin der größte Kritiker von ihnen. Und sie machen schon schöne Sachen. Besonders der Wirtshausstuhl. Der ist für mich der Schönste. Er ist einfach und ehrlich.

 

Was würden Sie gerne über sich lesen? 

Gar nichts. Mir ist es zuwider, denn kein Mensch weiß, wie es in mir tatsächlich aussieht. Wenn es irgendwie geht, gebe ich auch nichts preis.

 

Sind Sie in Ihrem bewegten Leben manchmal an einer Kreuzung gestanden und haben die falsche Abzweigung genommen?

Das passiert in einem Leben immer wieder. Aber wenn ich es genau überlege: Es gab in meinem Leben nicht so viele Möglichkeiten, etwas anders zu machen. Ich mache genau das, was ich will und kann.

 

Über Sie wurde ein Film gemacht.

Das war für mich schwierig, denn damit gibt man ein Stück mehr preis von dem, was man will.

 

Wie kam es zu dem Filmprojekt?

Marieke Schröder wollte das unbedingt machen und ist so lange an mir dran geblieben, bis ich zugesagt habe. Wir waren fast 4 Jahre unterwegs. Eine lange Zeit. Eine bewegende Zeit.

Charles Schumann, eigentlich Karl Georg Schuhmann, ist Barkeeper und Betreiber einer der bekanntesten Bars Deutschlands, des Münchener Schumann’s. Viele bezeichnen ihn als „Barmann der Nation“. Nun wurde er im September 75 Jahre alt. Anlässlich seines 75. Geburtstags wurde vor kurzem im Bayerischen Fernsehen ein Film über ihn ausgestrahlt: “Charles Schumann – von Kirchenthumbach in die Welt”.

COMMUNITY

Christoph Strenger »Das Wohlfühlen für meine Gäste ist für mich sehr, sehr wichtig.«

Sasha Rossmann »Design ist eine Reise, auf der es keinen Weg zweimal gibt.«

Michi Klemera »100% Bewegung«